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St. Petri Kirche Ausleben

Die von einem Freundeskreis vor dem Verfall gerettete Ausleber Kirche St. Petri ist nicht nur ein wertvolles Baudenkmal mit einem parkähnlichen Freigelände, sondern seit Jahren für Besucher aus nah und fern auch ein bemerkenswerter Veranstaltungs- und Ausstellungsort.

Luftaufnahme St. Petri Kirche Ausleben
Luftaufnahme St. Petri Kirche Ausleben
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Beinahe hätte sich Geschichte wiederholt. Nach 200 Jahren. Denn es war 1777, als der nach und nach baufällig gewordene Hauptteil der Ausleber Kirche St. Petri eingestürzt ist und später auch der Turm abgerissen werden musste. Und es war 1976, als das noch im 18. Jahrhundert wieder aufgebaute Kirchenschiff sowie der später ebenfalls erneuerte Turm ein weiteres Mal baufällig zu werden und damit abermals einzustürzen drohten. Hatten doch dazumal staatliche Stellen der DDR entschieden, das gesamte Gotteshaus „dem Ruin zu überlassen“, wie der Ausleber Ortschronist Peter S. Fischer überlieferten Unterlagen entnommen hat.

Doch hatte St. Petri in der Neuzeit doppeltes Glück. Zum einen hat die Kirche trotz dieses Todesurteils und ohne weitere Sanierungen, Restaurierungen oder Renovierungen sowie völlig ungenutzt bis in die 1990er Jahre standhaft durchgehalten. Und zum anderen kam dann Mitte dieser 90er Jahre vor allem Heinz Morgenthal mit einem Freundeskreis und weiteren Unterstützern auf das Kirchengelände, um St. Petri zu retten.

Zunächst haben Heinz Morgenthal und Freunde sowohl in der Kirche als auch auf dem Gelände  etliche Schutthaufen und Wildwuchs weggeräumt, um dann gemeinsam mit weiteren Verbündeten für ein neues Dach, für neue Fenster und nach und nach für weitere Sanierungsmaßnahmen zu sorgen. Parallel dazu ist das Gotteshaus, das für kirchliche Veranstaltungen nicht mehr genutzt wird, zu einem weltlichen Veranstaltungs- und Ausstellungsort geworden. Was es nach der Corona-Pause auch wieder werden soll. Ausstellungen, Geschichts-Stube, Musikveranstaltungen und weitere Angebote sollen wie in den Jahren zuvor viele Interessenten nach Ausleben locken.

Heinz Morgenthal hat mit seinem Freundeskreis die Emporen der Kirche mit Bildern des Ausleber Kunstmalers Heinrich Gans verziert.
Heinz Morgenthal hat mit seinem Freundeskreis die Emporen der Kirche mit Bildern des Ausleber Kunstmalers Heinrich Gans verziert.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Heimatstube Ausleben.

Aber auch ein Blick in die Ausleber Vergangenheit sorgt für viel Interesse, beispielsweise ein Blick in die frühromanische Ausleber Zeit. Also in die Zeit vor gut 1000 Jahren. Zu der es nach Aussagen des Prähistorikers Paul Grimm (1907-1993) im Bereich der heutigen Ausleber Kirche vielleicht schon eine befestigte Burganlage, zumindest aber eine Wehrkapelle gegeben hat. Urkundlich erwähnt wurde eine Ausleber Kirche St. Petri aber erst im Jahr 1305 zum ersten Mal. Und zwar als sich mit Zustimmung des Bischofs Albrecht von Halberstadt die Kirchengemeinden Warsleben und Ausleben getrennt hatten. Während damit Warsleben dem Helmstedter Kloster Marienthal überlassen worden ist, hat Halberstedt für Ausleben das Patronatsrecht nebst Einkünften behalten.

Was aber nicht verhindert hat, dass Ausleben 1556 protestantisch geworden ist. So dass die Ausleben Kirche also evangelisch war, als sie laut Peter S. Fischer im Jahr 1588 einen Turm bekommen hat. Woran eine entsprechende Jahreszahl erinnert, die noch heute in einem Sandstein über dem Kircheneingang geschrieben steht.

Blick von der oberen Empore in den Kirchenraum.
Blick von der oberen Empore in den Kirchenraum.


Fast alle Kirchenbänke sind mit Namen versehen. Die meisten stammen aus früheren Jahren. Die Namenschilder aus der Neuzeit waren jeweils mit einer Spende für den Erhalt der Kirche verbunden.
Fast alle Kirchenbänke sind mit Namen versehen. Die meisten stammen aus früheren Jahren. Die Namenschilder aus der Neuzeit waren jeweils mit einer Spende für den Erhalt der Kirche verbunden.

Während in den seit 1686 geführten Ausleber Kirchenbüchern unter anderem zu lesen ist, dass das Ausleber Gotteshaus 1730 im Zuge von umfangreichen Sanierungsarbeiten unter anderem Altarschranken mit üppigen Schnitzereien bekommen hat, doch trotz dieser Sanierungsarbeiten im Jahr 1757 schwerwiegende Schäden im Mauerwerk, im Turm, in der Wänden, an Stützpfeilern und am Dach festgestellt worden sind. So dass mit einem Einsturz gerechnet worden ist, der auch mit Reparaturen in den Jahren 1768 und 1773 nicht verhindert wurde. So dass 1777 das Kirchenschiff wie befürchtet eingestürzt ist. 

Das aber mit Geld aus der königlichen Staatskasse und mit finanzieller Unterstützung des Ottleber Adels schnell wieder aufgebaut und 1781 zum Erntedankfest eingeweiht wurde.

Womit aber längst nicht alle Schwierigkeiten beseitigt waren, wurde doch nun der Kirchturm, in den bereits Mitte des 18. Jahrhunderts ein Blitz eingeschlagen hatte, zum Problem. So dass er Mitte des 19. Jahrhunderts nach vergeblichen Rettungsversuchen aus Sicherheitsgründen abgerissen werden musste. Doch bereits 1858 stand ein neuer, 42 Meter hoher Turm, der bis heute das höchste Ausleber Gebäude und schon von weitem zu sehen ist. Der mit Lichtschlitzen ausgestattete Turm hat eine achtseitige Spitze und ein Schieferdach. An diesen zweiten Turmbau zu Ausleben erinnert über dem Kircheneingang eine zweite Jahreszahl, also die Zahl 1858.

Bei Umbau- und Renovierungsarbeiten in der Kirche im Jahr 1881 bekam das Schiff ein hölzernes Deckengewölbe sowie zweigeschossige Emporen, für die unter anderem geschnitzte Stutzen aus dem 17. Jahrhundert verwendet worden sind. Zudem hat der Altar einen Aufsatz nebst Kreuzigungs-Gemälde bekommen und die Kirche insgesamt ein neues Bankgestühl aus Kiefernholz sowie als Kanzel einen achteckigen Korb auf einer Mosesfigur.

Zur Kirchenausstattung gehört auch eine Orgel mit einem 3,70 Meter hohen Prospekt, die der Magdeburger Christoph Trautmann 1785 gebaut und der Hallenser Orgelbauer Friedrich Wilhelm Waeldner 1828 mit einem neuen Werk ausgestattet hat. Vom Halberstädter Orgelbauer Reinhard Hüfken ist das Instrument schließlich 2004 auf Initiative von Heinz Morgenthal und seinen Mitstreitern  gründlich gewartet worden.

Der Vater und die Großeltern des in Ausleben geborenen Kunstmalers Heinrich Gans sind auf dem alten Ausleber Kirchenfriedhof bestattet worden.
Der Vater und die Großeltern des in Ausleben geborenen Kunstmalers Heinrich Gans sind auf dem alten Ausleber Kirchenfriedhof bestattet worden.
Die Orgel von St. Petri ist 1775 gebaut, 1828 mit einem neuen Werk ausgestattet und 2004 gründlich gewartet worden.
Die Orgel von St. Petri ist 1775 gebaut, 1828 mit einem neuen Werk ausgestattet und 2004 gründlich gewartet worden.


Die Ausleber Kirchenfreunde haben auch dafür gesorgt, dass das Außengelände mit einem wertvollen Baumbestand und mit dem alten Friedhof nebst vielen, zum Teil sehr bemerkenswerten Grabsteinen wieder ein sehenswerter Park ist. „Am Anfang haben uns dabei auch Schülergruppen geholfen“, wie sich Heinz Morgenthal gern erinnert, der sich zudem freut, dass er dafür nun auch vom Ausleber Grünen Stammtisch Unterstützung bekommt.

Bleibt noch ein Blick auf den Kirchturm. Im ersten Weltkrieg musste die Ausleber Kirchengemeinde dort eine Glocke abhängen und für die Waffenproduktion abgeben. Als Ersatz hat sie 1922 der benachbarten Kirchengemeinde Warsleben eine Bronzeglocke abgekauft. So dass auch heute noch das Geläut funktioniert und auch die Kirchturmuhr den Auslebern nach wie vor mitteilt.

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