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St. Martini Wulferstedt

Die 1786/87 gebaute und weithin auch als hochkarätiger Veranstaltungsort bekannte Wulferstedter Sankt-Martini-Kirche besitzt unter anderem eine außergewöhnliche und jüngst sanierte  Holztonnendecke mit Jugendstil-Zeichnungen sowie eine bemerkenswerte Kanzel. Weitere Sanierungsarbeiten innerhalb und außerhalb der Kirche sind erledigt, erfolgen derzeit und sind geplant.

Die Nordseite der Wulferstedter Kirche Sankt Martini.
Die Nordseite der Wulferstedter Kirche Sankt Martini.

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Ganz sind sich die Geschichtsforscher nicht einig, wann in Wulferstedt eine erste Kirche gebaut worden ist. So geht Pfarrer Stephan Kunze in seiner in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschriebenen Ortschronik davon aus, dass 1148 zum ersten Mal beim Bischof in Halberstadt um Erlaubnis für einen Kirchenbau gebeten worden ist, nachdem einige Jahre zuvor bereits die benachbarten Wegersleber eine solche Erlaubnis erhalten hatten. Pfarrer Richard Wiemann datiert in seiner 1901 erschienenen Wulferstedter Ortschronik den ersten Kirchenbau hingegen 300 Jahre früher, also auf das Jahr 850, was sogar noch gut 100 Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung Wulferstedts (967) gewesen wäre. Wiemanns Begründung: Diese erste Kirche war dem Heiligen Vitus geweiht, dessen Relikte Mitte des 9. Jahrhunderts vom französischen Chalos ins Kloster Corvey (heute Nordrhein-Westfalen) überführt worden sind und dieser Märtyrer somit dazumal in aller Munde war. In der jüngsten, von Erhard Rohlandt erarbeiteten und von Kurt Rausche vervollständigten Chronik Wulferstedts aus dem Jahr 1999 schlagen sich die beiden Autoren jedoch auf die Seite von Stephan Kunze.

Kirchen-Südseite.
Kirchen-Südseite.

Aber sei es wie es sei. Einig sind sich allesamt, dass diese erste Wulferstedter Kirche fürwahr St. Vitus hieß, in der „Heiligen Breite“, also gut einen Steinwurf südöstlich des heutigen Kirchengelände entfernt errichtet worden ist und recht klein, eventuell auch nur aus Holz war. Eine detaillierte Beschreibung findet sich in den vorhandenen historischen Unterlagen nicht.

In denen aber geschrieben steht, dass Bischof Gebhard im Jahr 1482 den Wulferstedtern den Bau eines größeren Gotteshauses auf dem heutigen Kirchengelände genehmigt hat, das dann auch gebaut und dem Heiligen Mauritius geweiht worden ist. „Die Kirche erhielt viel Raum in ihrer Umgebung. Darauf wurde unter anderem ein Friedhof eingerichtet“, heißt es in der jüngsten Chronik: „Außerdem wurde auf diesem Grund eine Scheune für die Kirchenäcker gebaut, 1688 dann auch eine Pfarre.“

1786 hat besagte Kirche schließlich einen neuen, 32 Meter hohen Turm bekommen und ist ein Jahr später das gesamte Schiff so umgebaut, repariert und renoviert worden, dass das Ganze am Ende eine neue Kirche war. Weshalb auch 1786 als offizielles Baujahr der heutigen Wulferstedter Dorfkirche gilt. Zumal dieses erneuerte Bauwerk schließlich dem Heiligen Martin geweiht worden, so also seither und bis heute eine Martinikirche ist.

In der laut Rohlandt/Rausche-Ortschronik 1896 die ersten Öfen aufgestellt worden sind, 1900 die ersten elektrischen Lampen Licht gegeben haben und 1901 alles neu ausgemalt wurde. Auch über die Geschichte der Glocken, der Turmuhr und der Orgel steht in den Chroniken einiges geschrieben.

Das Altargemälde.
Das Altargemälde.

Beispielsweise, dass schon die Mauritius-Kirche 1690 eine Orgel bekommen hat, die 1762 verbessert, dann auch in der runderneuerten Kirche, also in St. Martini, aufgestellt und 1871 noch einmal repariert worden ist. Bevor nur ein paar Jahre später der Halberstädter Orgelbaumeister Wilhelm Bergen eine völlig neue Orgel gebaut hat, die Ostern 1879 zum ersten Mal zu hören war. Doch seit den 1960er Jahre schwieg diese Orgel zunehmend, war 1974 schließlich unbespielbar und dann 25 Jahre völlig stumm.

Auch die Wulferstedter Kirchenglocken waren nicht durchweg zu hören und nicht durchweg dieselben. Beispielsweise ist eine große Glocke 1699 und sind zwei kleinere 1712 noch für den ersten größeren Kirchenbau gegossen und dann auch im neuen Turm aufgehängt worden. In der Chronik ist zudem von einer kleinen Glocke zu lesen, die beispielsweise von 1820 bis 1938 das Zeichen zum Schulbeginn gegeben hat, wie auch von einer umgegossenen Glocke, sowie von Glocken, die im ersten und im zweiten Weltkrieg beschlagnahmt und für die Produktion von Kanonen eingeschmolzen worden sind. Anfang der 1960er Jahre ist bei einer Spendensammlung das Geld für eine Stahlglocke mit einem Durchmesser von 1,3 Metern zusammengekommen.

Eine erste Turmuhr, die sich noch eine Etage über den Glocken befunden hatte, ist 1898 durch eine neue ersetzt, dann aber eine Etage unter den Glocken untergebracht worden. Deren Zifferblatt hat zur Wulferstedter 1000-Jahr-Feier 1967 neues Blattgold bekommen und ist nach 1990 noch einmal auf Vordermann gebracht worden.

Auch die Außenmauern der Kirche wird nach und nach auf Vordermann gebracht.
Auch die Außenmauern der Kirche wird nach und nach auf Vordermann gebracht.

Wie sich nach 1990 viel in der Kirche und im Umfeld getan hat. Von dem zwar auch noch etwas in der Ortschronik aus dem Jahr 1999 steht, was aber vor allem von Helga Jungnickel zu erfahren ist, die 26 Jahre Mitglied und davon 16 Jahre die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates war. Und die in dieser Zeit zwei gewaltig dicke Ordner angelegt und damit so etwas wie eine Nachwende-Kirchenchronik geschaffen hat.

 In diesen Ordnern berichten Fotos, Dokumente, Briefe, Niederschriften und andere Aufzeichnungen beispielsweise davon, dass gleich Anfang der 1990er Jahre fleißige Mitstreiter der Kirchengemeinde und weitere Helfer damit begonnen haben, die ziemlich verwahrloste Kirche zunächst nach und nach etwas zu verschönern. Zuerst wurden unter anderem die historischen Kronleuchter und die anderen Lampen technisch sowie optisch wieder zum Strahlen und manch andere Dinge in der Kirche in Ordnung gebracht.

Die erste ganz große Aktion war die Erneuerung der Kirchendachs, wofür 1995 mit großem Erfolg zu einer Spendenaktion aufgerufen und am Ende aus mehreren Quellen das erforderliche Geld zusammengekommen ist. Wie auch Ende der 90er Jahre die Orgel nach einer unter anderem auch mit Spendengeldern finanzierten, knapp 70 000 Euro teuren Sanierung wieder spielbereit war und 2003 der Turm saniert und dabei auch der historische Inhalt der Turmkugel gesichtet und mit zeitgenössischen Gegenständen sowie neuen Informationen angereichert worden ist. Während fleißige Mitglieder und Freunde der Kirchengemeinde Außenwände der Kirche unter anderem verfugt haben und sich bis heute um diese Aufgabe kümmern.

Nachdem 2011 die große Glocke einen neuen Klöppel und ein neues Gebälk bekommen hat, sowie 2014 sämtliche Bänke gestrichen worden sind, haben 2017 gut 250 000 Euro teure Sanierungsarbeiten begonnen, die fast eineinhalb Jahre gedauert haben und aus dem EU-Förderprogramm Leader, sowie mit Mitteln des Kirchenkreises Egeln und diversen Spenden bezahlt worden sind. Dabei wurde unter anderem die außergewöhnliche Holztonnen-Decke mit ihren floralen Darstellungen sowie Tierkreis- und Engelszeichnungen in Stand gesetzt, wurden Balkenkonstruktionen erneuert und der barocke Kanzelaltar nebst klassizistischen Zierelementen und Gemälden saniert.

Da damit aber noch längst nicht alle erforderlichen Instandsetzungsarbeiten erledigt waren, hatte der Gemeindekirchenrat mit der damaligen Vorsitzenden Helga Jungnickel, der heutigen Vorsitzenden Undine Reimann und nicht zuletzt mit dem nach wie vor stellvertretenden Vorsitzenden und Bauspezialisten Carsten Dippe an der Spitze zu diesem Zeitpunkt schon die nächste große Sanierungsaktion vor Augen und auch dafür bereits wieder Fördermittel beantragt. Die dann im Frühherbst vergangenen Jahres in Höhe von gut 260 000 Euro genehmigt und mit Mitteln des Kirchenkreises und der Kirchengemeinde auf 300 000 Euro aufgestockt worden sind. Dann hat es auch nicht mehr lange gedauert und die ersten Handwerker kamen angereist. Um unter anderem große Teile der Emporen, den Fußboden der Sakristei sowie weitere Balken des Kirchenschiffs zu erneuern und auch die Elektrik auf den Stand der Zeit zu bringen.

Sanierungsarbeiten im April 2021.
Sanierungsarbeiten im April 2021.

Während am Ende dieser Arbeiten die neuen Holzteile auch allesamt gestrichen werden, wird es dann aber noch einige andere Bereiche in der Kirche geben, die ebenso neue Anstriche brauchen. Am Besten von einem Restaurator und in den einstigen Originalfarben. Was der Gemeindekirchenrat als nächsten Projekt in Angriff nehmen und dafür ebenso Fördermittel beantragen will.

Mit den bisherigen und den künftigen Sanierungen des Wulferstedter Gotteshauses wird aber nicht nur ein historisches Bauwerk, sondern wird zudem ein zeitgenössischer Veranstaltungsort restauriert. Denn die Martinikirche ist weit über die Kreisgrenzen hinaus auch für Konzerte, Ausstellungen und andere Kulturangebote bekannt. Rundfunk-Jugendchor, Jahrgangs-Chor des Landesgymnasiums Wernigerode, diverse Orgelvirtuosen, das Oschersleber Blasorchester, Jagdhornbläser, der eigene Kirchenchor und weitere Ensemble haben hier in den zurückliegenden Jahren für viel Freude bei dem jeweils zahlenmäßig großen Publikum aus nah und fern gesorgt. Dazu kommen Kirchenfeste, Krippenspiele oder auch andere feierlich-kulturell gestaltete kirchliche Veranstaltungen, wie zum Beispiel Erst- oder auch Jubiläums-Konfirmationen.


Die Inschrift über dem Mausoleums-Eingang.
Die Inschrift über dem Mausoleums-Eingang.

Noch einiges zum Außengelände der Martinikirche:

Im Umfeld der Kirche stehen einige interessante historische Grabsteine, die einst zum Kirchen-Friedhof gehörten.

An der Südseite der Kirche befindet sich ein in den 1990er Jahren in Stand gesetztes Denkmal, mit dem an die Gefallenen der beiden Weltkriege gedacht wird.

Nahezu in der Mitte des benachbarten weitläufigen Pfarrgartens mit dem 1884 gebauten Pfarrhaus befindet sich ein alter Ziehbrunnen, der 2007 saniert worden ist und nun unter anderem zu Ostern und Weihnachten dem Anlass entsprechend geschmückt wird.

Am nordöstlichen Rand des Kirchengeländes befindet sich ein 1877 gebautes Mausoleum, also eine Familiengruft der Familie Dettmer. War doch seinerzeit Heinrich Dettmer der Freisass, sprich der größte freibäuerliche Gutsbesitzer in Wulferstedt. Jenes bis heute im Privatbesitz befindliche Mausoleum hat 2006 von der öffentlichen Hand finanziert ein neues Dach sowie einen neuen Fassadenanstrich bekommen und war 2007 anlässlich der Wulferstedter 1040-Jahr-Feier zum bisher letzten Mal für die Öffentlichkeit zugänglich. Die damaligen Besucher schwärmen noch heute vor allem von der außergewöhnlichen Wand- und Deckenmalerei.

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