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St. Marien Warsleben

Viele Wege führen zur Warsleber Marienkirche. Doch allesamt sind sie etwas verwinkelt und recht unscheinbar. Weshalb auch das Gotteshaus selbst zunächst unscheinbar bleibt. Erst wer unmittelbar davor steht, erblickt eine „ausgewachsene“ und eine sehr beeindruckende Kirche.

Und der Besucher sieht dann auch schon auf den erstem Blick einige Besonderheiten. Unter anderem einen „Kirchturm“, der eigentlich gar kein so richtiger Kirchturm, sondern eher so etwas wie ein Fachwerkhaus in luftiger Höhe ist.

Die Südseite der Marienkirche Warsleben
Die Südseite der Marienkirche Warsleben

Der Ausleber Ortschronist Peter S. Fischer weiß es genau und beschreibt dieses doch ziemlich große Detail so: „Über dem Westgiebel des langgestreckten flachgedeckten Kirchenbaus wurde ein quadratischer Dachreiter aus Fachwerk errichtet.“ Und zwar Ende des 17. Jahrhunderts. Sogar ganz am Ende. Denn es war 1699, als das heutige Gotteshaus St. Marien Warsleben auf den Grundmauern einer Vorgängerkapelle errichtet worden ist.

Also auf den Relikten einer Kapelle, von der auf einer Urkunde aus dem Jahr 1305 zum ersten Mal etwas geschrieben steht, als nämlich Warsleben von der Pfarrkirche Ausleben getrennt und zu einem eigenständigen Kirchdorf unter dem Patronat vom Helmstedter Kloster Marienthal geworden ist.


Von Peter S. Fischer eingesehene historische Unterlagen jüngeren Datums informieren darüber, dass sich Warsleben 1590 zum Protestantismus bekannt hat und der erste evangelische Pfarrer Johann Styger hieß. Zu lesen in diesen Unterlagen ist auch, dass die Vorgängerkapelle der heutigen Kirche zwar 1611 in Stand gesetzt worden ist und 1668 zwei neue Glocken bekommen hat, dann aber zusehends verfiel. Woran auch Raubritter ihren Anteil hatten. Im Gutachten von einem Klosterrat Voigts aus dem Jahr 1688 heißt es schließlich sogar sehr drastisch: „Man solle dieses Gebäude eher als einen verfallenen Schweinestall als eine Kirche ansehen.“

Blick von der Empore in den Kirchenraum in Richtung Altar.
Blick von der Empore in den Kirchenraum in Richtung Altar.

Was den Abriss der alten Kapelle und dann auch den Bau einer neuen Kirche, also von St. Marien zur Folge hatte. An dem sich sogar noch das Kloster Marienthal mit 800 Reichstalern in bar sowie mit dem erforderlichen Eichenholz beteiligt hat, obwohl bereits mit Beginn der Reformation  die Braunschweiger Kirchenherren das Patronat, also die Schirmherrschaft  über Warsleben übernommen hatten.

Die mit den alten Glocken der früheren Kapelle ausgestattete neue Kirche war zwar recht schnell fertig, ist aber schon unmittelbar danach und bis zum heutigen Zustand auch noch später immer mal wieder mal innen und außen verändert oder saniert worden. So wurden beispielsweise gegen Schenkungen Sonderplätze eingerichtet, hat die Adelsfamilie von Veltheim einen Altar gestiftet, ist ein Kanzelkorb gebaut worden und sind eine steinerne Küche und ein Gästezimmer mit Schlafkammer hinzugekommen. Auch ist 1714 ein Altaraufsatz mit einem Abendmahlgemälde errichtet, 1774 die Ausstattung des Kirchenschiffs neu ausgemalt,1819 das Gestühl neu bemalt sowie 1874 ein Dauerbrandofen angeschafft und damit die Kirche zum ersten Mal geheizt worden.

1852 hat St. Marien Warsleben die erste, wenn auch zunächst recht kleine Orgel bekommen. Die jedoch 35 Jahre später der Orgelbauer Becker aus Schöningen durch eine größere ersetzt hat, weshalb aber auch eine größere Orgelempore erforderlich wurde und gebaut worden ist.

Weitere 16 Jahre später, nämlich 1903, ist eine neue Kirchturmuhr eingebaut worden, wofür laut Chronist Peter S. Fischer 1000 Mark ausgegeben wurden. Die jedoch keinen Dauerbetrieb gesichert haben. So dass der Warsleber Uhrmachermeister Helmut Köhler den Kirchen-Chronometer nach einer längeren Zeit des Stillstands erst wieder im Jahr 1984 zum Laufen gebracht und sich auch später um sie gekümmert hat. Was nun andere übernommen haben, so dass den Warsleben mit Hilfe einer kleinen Glocke auf dem Dach jedes Stündlein und auch jedes halbe Stündlein schlägt.

Zum Altar, den die Adelsfamilie von Veltheim gestiftet hat, gehört auch ein Abendmahlgemälde.
Zum Altar, den die Adelsfamilie von Veltheim gestiftet hat, gehört auch ein Abendmahlgemälde.

Während sich das eigentliche Kirchengeläut unter dem Dach befindet und wie gehabt tadellos funktioniert. Wenn auch im Laufe der Zeit die Glocken längst nicht immer dieselben geblieben sind. So sind beispielsweise die ursprünglichen Glocken der Vorgängerkapelle zwar 1699 im Kirchenneubau aufgehängt, aber 1798 umgegossen worden. Vier Jahre später bekam die größte Glocke einen ersten Sprung und weitere zehn Jahre später einen zweiten Sprung. Während der erste Sprung noch repariert werden konnte, musste die Glocke des zweiten Sprungs wegen in Halberstadt eingeschmolzen und neu gegossen werden. Um dann während des 1. Weltkriegs für Kriegszwecke beschlagnahmt, also eingeschmolzen und für die Waffenproduktion verwendet zu werden. Dafür sind 1922 zwei Stahlglocken mit Hilfe von Spendengeldern gekauft, aber nicht unbedingt liebgewonnen worden. „Sie klingen wie Kuhglocken“, war seinerzeit die Meinung der Kirchengemeinde. Und ist es größtenteils auch noch heute.


Wobei diese Glocken derzeit nicht so sehr oft zu hören sind. Gegebenenfalls mal anlässlich einer Beisetzung. Allerding regelmäßig in der Silvesternacht. Dann nämlich sorgt der Warsleber Jens Klamm dafür, dass in Warsleben das alte Jahr lautstark verabschiedet und das neue Jahr genauso lautstark begrüßt wird.  

Das Warsleber Pfarrhaus aus dem Jahr 1734, das nicht mehr von der Kirche genutzt, sondern inzwischen privat bewohnt wird.
Das Warsleber Pfarrhaus aus dem Jahr 1734, das nicht mehr von der Kirche genutzt, sondern inzwischen privat bewohnt wird.

Bleibt noch ein historischer und ein aktueller Blick in Richtung des benachbarten Pfarrhausgeländes. Was auch nicht ohne ist. Denn gleich dreimal hat auf diesem Gelände Feuer gewütet. Das erste Mal 1734, als das 1564 gebaute Pfarrhaus abgebrannt und durch einen Neubau ersetzt worden ist. 1825 hat der zweite Brand Teile der Pfarrscheune zerstört und gut 50 Jahre später der dritte Brand das gesamte Gebäude. Mit der Folge, dass 1868 eine neue Pfarrscheune nebst Konfirmandensaal gebaut worden ist. Schließlich hat das Pfarrhaus 1874 einen Anbau mit drei zusätzlichen Zimmern bekommen. Inzwischen hat sich die Evangelische Kirche aber vom Pfarrhaus getrennt, das nun privat bewohnt wird.


Am Kirchengebäude sind 1996 die bisher letzten größeren Sanierungsarbeiten erfolgt. Dafür wurden 90000 Euro ausgegeben, von denen die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz 50000 Euro und der Landkreis 18000 Euro übernommen hat. Die restlichen 22000 Euro sind bei einer Spendensammlung zusammengekommen.

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