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Das Große Bruch

Von Rohrammer und Feldlerche über Wiesenpieper und Braunkehlchen bis Kiebitz und Schilfrohrsänger. Von Grasfrosch und Teichfrosch über Erdkröte und Teichmolch bis Wasserfrosch und Seefrosch. Von mehr als 300 Käferarten über 60 Spinnenarten bis 25 Libellenarten. Von Hecht und Plötze über Grünling und Schleie bis Karpfen und Flussbarsch. Von Hermelin über Mauswiesel bis zur Maus. Ja, die Listen der Tiergattungen und Tierarten sind sehr lang, die im Großen Bruch zu sehen sind. Und nicht nur zu sehen, sondern viele davon haben hier ihr Zuhause, also brüten, laichen oder gebären im Großen Bruch.

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Allein gut 200 Vogelarten sind im Großen Bruch nachgewiesen, von denen hier etwa 100 regelmäßig oder gelegentlich brüten. Und von denen stehen fast 50 auf der Roten Liste, sind also gefährdet, mitunter sogar vom Aussterben bedroht.

Wie auch von den mehr als 300 Pflanzenarten, die es im Großen Bruch gibt, etwa 20 Arten auf der Roten Liste stehen. Quellgras, Lauch-Gamander, Tannenwedel und Salzbunge sind gar sehr gefährdet beziehungsweise vom Aussterben bedroht.

Im Großen Bruch, das sich 45 Kilometer lang und ein bis fünf Kilometer breit von Hornburg in Niedersachsen bis Oschersleben erstreckt, ist also sowohl die Flora als auch die Fauna nicht nur sehr umfangreich, sondern  mitunter auch sehr selten und damit besonders wertvoll. So dass dieses Gebiet zum einen ein Eldodaro für Tiere und Pflanzen, zum anderen aber auch für den Menschen ist. Vor allem für den Freund der Natur.

Weshalb das Große Bruch auch unter Schutz steht. Bereits 1981 wurde ein etwa 800 Hektar großes Kerngebiet zwischen Wulferstedt, Neuwegersleben und Hornhausen als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Und der erste Oschersleber Nachwende-Kreistag hat sofort das Große Bruch in seinem gesamten Zuständigkeitsbereich als Landschaftsschutzgebiet sichergestellt.

Vorstandsmitglied Harald Schuhfuß an einer der gut einem Dutzend Informationstafeln, die inzwischen im Großen Bruch rund um Wulferstedt stehen.
Vorstandsmitglied Harald Schuhfuß an einer der gut einem Dutzend Informationstafeln, die inzwischen im Großen Bruch rund um Wulferstedt stehen.

Dazu war am 6. Dezember 1990 im Oschersleber Lokalteil der Braunschweiger Zeitung zu lesen:  „Dieses Landschaftsschutzgebiet Großes Bruch/Aueniederung umfasst Gemarkungen der Stadt Oschersleben und der Gemeinden Hordorf, Hornhausen, Wulferstedt, Neuwegersleben, Gunsleben, Wackersleben, Ohrsleben und Hötensleben. Das Große Bruch ist Lebensraum für einen hohen Anteil seltener, bestandsgefährdeter und vom Aussterben bedrohter Tierarten. Insbesondere für die Vogelwelt hat das Große Bruch als Brut-, Nahrungs- und Überwinterungsgebiet Bedeutung. Außer  artenreiche Feuchtwiesen hat sich durch die ehemalige Grenze auf der östlichen Seite entlang der Aue mehrere Jahrzehnte ein vom Menschen relativ unbeeinflusster Biotopstreifen entwickelt. Die einstweilige Sicherstellung als Landschaftsschutzgebiet soll gewährleisten, dass der naturnahe Zustand die Schönheit und Eigenart des Landschaftsbildes erhalten und weiterentwickelt werden. Durch eine extensive Wiesen- und Weidewirtschaft soll die artenreiche, aber bedrohte Tier- und Pflanzenwelt in diesem ökologisch bedeutungsvollen Feuchtgebiet gesichert und vermehrt werden.“

Was nach Expertenansicht trotz lokaler Probleme sowie nationaler und vor allem globaler Umwelt-Widrigkeiten bis heute ganz gut geklappt hat. Nicht zuletzt dank der Vereinigung Umwelt- und Naturschutz Großes Bruch, die am 13. September 1990 von 40 Natur- und Umweltfreunden aus der Region gegründet worden ist und sich bis heute als eingeschriebener Verein für das Große Bruch engagiert.

So hat die Vereinigung in ihrer Gründerzeit unter anderem sehr große Kernbereichs-Teile des Großen Bruchs von den Eigentümern gepachtet und an Landwirte der Region vor allem zur extensiven und damit umweltfreundlichen Weide- und Wiesenwirtschaft weiterverpachtet. Weshalb in den 90er-Jahren beispielsweise auf Koppeln zwischen Wulferstedt und Hornhausen etliche Charolais, Galloways und andere Hochlandrinder zu sehen waren. Heute weiden dort zwar keine Hochlandrinder mehr, aber etliche andere Rindersorten schon. Wie auch Pferde oder Lamas.  

Diese Tafel informiert auf dem Rundweg der Vereinigung Umwelt- und Naturschutz über den Steinkauz, der vom Aussterben bedroht ist und im Rahmen eines umfangreichen Projekts im Großen Bruch wieder angesiedelt wird.
Diese Tafel informiert auf dem Rundweg der Vereinigung Umwelt- und Naturschutz über den Steinkauz, der vom Aussterben bedroht ist und im Rahmen eines umfangreichen Projekts im Großen Bruch wieder angesiedelt wird.


Bei der Wulferstedter Großes-Bruch-Rundweg-Wanderung führt im Norden des Ortes ein Abstecher an der Gabelung Hordorf/Krottorf vorbei.
Bei der Wulferstedter Großes-Bruch-Rundweg-Wanderung führt im Norden des Ortes ein Abstecher an der Gabelung Hordorf/Krottorf vorbei.

Und auch heute noch betreut die Vereinigung weiterhin etwa 60 Hektar quasi als Zwischenpächter. Vor allem aber kümmert sie sich inzwischen um ganz konkrete Natur- und Umwelt-Projekte. So  beispielsweise um die Neuansiedlung von Steinkauzen, aber auch darum, Besuchern das Große Bruch näherzubringen. Dafür stellt die Vereinigung unter anderem an prägnanten Stellen Informations- und Lehrtafeln über die Tier- und Pflanzenwelt des Großen Bruchs auf und bietet Führungen durch das Landschaftsschutzgebiet an.

Neuansiedlung von Steinkauzen:
Mit diesem Projekt hat die Vereinigung Umwelt- und Naturschutz Großes Bruch vor gut zehn Jahren begonnen. Vor allem der 2019 verstorbene Vereinsvorsitzende Herbert Teulecke und sein Vorstandskollege Harald Schuhfuß haben hier in enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis zum Greifvogel- und Eulenschutz in Sachsen-Anhalt schon einiges erreicht. So dass die vom Aussterben bedrohte Kleineule im Großen Bruch wieder brütet, was sie aufgrund veränderter Umweltbedingungen Jahrzehnte nicht mehr hat. Allerdings ist die neue Population noch nicht sehr weit verbreitet. So dass an dem Projekt weitergearbeitet wird, wie Harald Schuhfuß versichert. So werden auch in Zukunft in Wulferstedt in Volieren Brutpaare gehalten und wird deren Nachwuchs Jahr für Jahr ausgewildert. Und Harald Schuhfuß ist optimistisch, dass sich die Population weiterentwickelt: „Das Große Bruch bietet mit den Altbaumbeständen sowie wegen der extensiven Bewirtschaftung des Gebietes noch ausgezeichnete Lebensbedingungen für den Steinkauz.“


Führungen, Wanderungen sowie Informations- und Lehrtafeln:
Seit Jahren organisiert die Vereinigung Umwelt- und Naturschutz Großes Bruch Wanderungen, an denen nicht nur Vereinsmitglieder, sondern auch weitere Naturfreunde teilnehmen. Diese Wanderungen finden jeweils im Frühjahr statt. „Wenn die Vögel zwitschern“, wie Harald Schuhfuß sagt und dieses Angebot noch ausbauen möchte. Weshalb er inzwischen einen fast acht Kilometer langen Rundweg ausgewählt hat, der nun Interessenten sowohl als Wander- wie auch als Radweg ganzjährig angeboten werden soll. Für individuelle Besuche des Großes Bruchs genauso wie für geführte Wanderungen. Dieser Rundweg beginnt am Wulferstedter Dorfgemeinschaftshaus Schwarzer Adler und tangiert unter anderem nördlich den Gänseanger, führt über den Schradergraben und am Reuterfleck vorbei, um dann Wulferstedt östlich zu umgehen und schließlich südlich nach einem Abstecher zur Gabelung Hordorf/Krottorf über den Bereich Hinter der Kirche, über den Roten Berg, über den Knielweg, an der Bockwindmühle vorbei zurück ins Dort zu gelangen. Damit auch jeder Besucher, der allein diesen Weg abgeht, Hintergrundwissen bekommt, stehen auf dieser Strecke ein Dutzend Informations- und Lehrtafeln, die beispielsweise speziell über den Steinkauz, über die Bedeutung von Streuobstwiesen, über Vogelarten der Moore und Feuchtgebiete oder auch über Tag- und Nachtgreifvögel unterrichten. Während die Teilnehmer geführter Wanderungen von Vereinsmitgliedern, vor allem von Harald Schuhfuß noch einiges mehr erfahren. Unter anderem über die Geschichte des Großen Bruchs.

Der Kernbereich des Großen Bruchs ist höchst offiziell ein Naturschutzgebiet.
Der Kernbereich des Großen Bruchs ist höchst offiziell ein Naturschutzgebiet.
Auch Pferde fühlen sich auf den Koppeln im Großen Bruch sehr wohl.
Auch Pferde fühlen sich auf den Koppeln im Großen Bruch sehr wohl.


Zur Geschichte des Großen Bruchs:
Bis zu den ersten Entwässerungsmaßnahmen im Mittelalter galt das Gebiet des heutigen Großen Bruchs als undurchdringlich. Es war in der Saaleeiszeit entstanden und so etwas wie ein Nebenarm des Magdeburger Urstromtals. Die Wassermassen hatten eine langgezogene Rinne geschaffen, aus der in der Nacheiszeit ein Sumpf entstanden ist, der nur schwer zu entwässern war. Die ersten Maßnahmen zur Entwässerung nahmen Mönche im 12. Jahrhundert am Randbereich des Bruchs vor. Doch der erste so richtig erfolgreiche Versuch einer Trockenlegung gelang erst in den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts. Die Initiatoren waren der Halberstädter Bischof Albrecht V. und der Braunschweiger Herzog Heinrich der Jüngere. Es wurden der Große Graben und der Mönchsgraben angelegt, um das Wasser in die benachbarte Bode zu leiten. Nicht zuletzt, um die beiden Gräben als bequeme Wasserwege nutzen zu können. Die auch der wenig spätere Regent Heinrich Julius als solche genutzt hat, aber zugleich zu den Hauptgräben kleine Abzugsgräben ziehen ließ, um Weideland zu gewinnen. Was dann 200 Jahre später Friedrich der Große forcieren und damit 30000 zusätzliche Morgen Ackerland schaffen wollte. Worüber es aber Streit gab, in den sich unter anderem auch Georg Wilhelm Wahnschaffe als Braunschweigisch-Lüneburgischer Drost mit Sitz in Üplingen eingemischt hat und das Ganze zur Folge hatte, dass der Erbprinz von Braunschweig, also  Karl Wilhelm Ferdinand, noch 1771 die Möglichkeit hatte, mit seinem Lustschiff bis Oschersleben zu schippern. Gut 60 Jahre später wurden erneute Entwässerungsmaßnahmen vorgenommen, um eine regelmäßige Bewirtschaftung dieses Landstrichs zu ermöglichen.


Was noch interessant ist:

Während der Steinkauz mithilfe eines großangelegten Projekts im Großen Bruch wieder zu Hause ist, wurden hier seit 2018 keine Brachvogel-Brutstätten mehr gesichtet.

Die Zuständigkeiten für die Wehre und die anderen Maßnahmen zur Wasserregulierung im Großen Bruch sind seit 1990 nicht endgültig geklärt. Weshalb es vor allem in den sehr trockenen Jahren 2018 und 2019 etliche Probleme gab.

2020 war ein an Mäusen sehr reiches Jahr, weshalb im Großen Bruch vor allem die Greifvögel, aber auch Reiher und Störche viel Nahrung fanden.


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