Sprungziele
Seiteninhalt

Schloss Gunsleben

Fast 500 Jahre hatten derer von Asseburg in Gunsleben einen Sitz. Der heutige Schloss-Besitzer Robert Glaß ist seit 2007 dabei, die historischen Gebäude vom Schloss Gunsleben in der Gemeinde Am Großen Bruch (Landkreis Börde / Sachsen-Anhalt) nach und nach in Stand zu setzen.

Entdeckte Mauerreste unterstützen die Vermutung, dass es in Gunsleben einst sogar eine Burg gegeben hat. Die wohl bereits im 14. Jahrhundert zerstört worden ist, wie in historischen Unterlagen steht. Und da sich die besagten Gebäude-Relikte im Keller des heutigen Gutshauses befinden, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Burg dort gestanden hat, wo nun - auch schon seit geraumer Zeit - die Bauwerke stehen, die als „Schloss Gunsleben“ zusammengefasst werden. Also vor allem ein Gutshaus, ein Inspektorenhaus und ein Herrenhaus.

Blick auf das 1754 gebaute Inspektorenhaus
Blick auf das 1754 gebaute Inspektorenhaus

Gebäude, die heute Robert Glaß gehören, der 2007 aus Niedersachsen nach Gunsleben, einem Ortsteil der Gemeinde Am Großen Bruch im Landkreis Börde, gekommen ist und seither nach und nach die historische Anlage in Stand setzt. Was eine sehr langfristige Aufgabe ist, sagt  Robert Glaß mit Blick in die Zukunft. Wie er sich zudem auf der anderen Seite mit Blick in die Vergangenheit ziemlich sicher ist, dass die im Gutshaus-Keller entdeckten Mauerreste fürwahr einst Teil einer Burg waren. Ist doch die Bauweise der Relikte typisch für das 14. Jahrhundert und die Zeit davor.

Also eine Bauweise auch für das Jahr 1112, das als Gunsleber Geburtsjahr gilt. Wurde doch nach heutigem Erkenntnisstand Gunsleben 1112 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Dazu hat der Gunsleber Chronist Dietmar Buchholz veröffentlicht: „Für Gunsleben gibt es keine Gründungsurkunde, wohl aber eine urkundliche Ersterwähnung, die aus dem Jahre 1112 stammt. In diesem Jahr schenkten die Edle Thietburg und ihre Tochter Mathilde aus dem Hause der Pfalzgrafen von Sommerschenburg dem ein Jahr zuvor in Hamersleben gegründeten Augustiner-Kloster über 316 Hufen Land. Davon lagen 21 in der Feldflur des damaligen Wegerslebens (heute Neuwegersleben) und eine in der Gunslebens.“

Der Heimatforscher hat zudem herausgefunden, dass das heutige Dorf Gunsleben in einem Gebiet gegründet worden ist, „das nachgewiesen durch Bodenfunde bereits in der Jungsteinzeit besiedelt war“. Die Namenssilbe „-leben“ erinnere daran, dass das Dorf eine Gründung der Warnen sein könnte. Dieser aus Südskandinavien gekommende Germanenstamm siedelte in der Zeit zwischen der Völkerwanderung und dem 10. Jahrhundert auch an günstigen Stellen nördlich des Großen Bruches. „Der Ortsname Gunsleben, ältere Namensformen sind unter anderem Gundesleve und Gunnesleve, könnte allerdings auch aus 'günstig' abgeleitet worden sein, denn die bei der Ortsgründung gewählte höhere Ortslage bot günstigere Lebensmöglichkeiten als das unmittelbar benachbarte Sumpfgebiet des Großen Bruches“, wie Dietmar Buchholz genauso erforscht hat wie die Tatsache, dass Gunsleben zur Zeit der Ersterwähnung zum 843 gegründeten Bistum Halberstadt gehörte.

Wohl auch noch, als 1141 in Gunsleben eine Kirche gebaut wurde und vor allem, als 1224 ein Hof (möglicherweise die einstige Burg) mit zugehörigem Land aus dem Erbbesitz der Adelheid von Loccum-Hallermund an die Grafen von Dassel übergegangen ist. Der nächste Besitzer war laut Geschichtsforschung Graf Heinrich von Regenstein, der aber im Jahr 1298 den Hof dem Kloster Hamersleben geschenkt hat. Später waren noch der Hildesheimer Bischof Heinrich II, Ludolf von Warberg und die Brüder von Alvensleben im Spiel. Doch spätestens 1453 gehörten Haus und Hof dem Geschlecht derer von Asseburg, nachdem Christoph Werner von Asseburg die Catharina Helena von Alvensleben geheiratet hat.

1753 wurde Christoph Werner von Asseburg der Besitzer, der laut dieser Wappen ein Jahr später mit Catharina Helena von Alvensleben verbunden war.
1753 wurde Christoph Werner von Asseburg der Besitzer, der laut dieser Wappen ein Jahr später mit Catharina Helena von Alvensleben verbunden war.

Dann hat es 300 Jahre gedauert, bis Nachfahre Christoph Werner von der Asseburg auf dem Rittergut das noch heute vorhandene Gutshaus bauen ließ. Und zwar genauso in einem schlichten ländlichen Barockstil wie 14 Jahre später gleich daneben das Inspektorenhaus.

Weitere gut 100 Jahre später sind zunächst neuerliche Wirtschaftsbauten dazugekommen und hat schließlich im Jahr 1891 Graf Maximilian von der Assenburg-Neindorf als neuer Besitzer für sich und seine Familie neben Gutshaus und Inspektorenhaus ein repräsentatives Herrenhaus im neogotischen Stil der Gründerzeit errichten lassen. Das unter anderem neben zwei Ecktürmen eine kunstvoll gestaltete Holzveranda besitzt.

Anfang der 1930er Jahre hat sich der in Gunsleben ansässige Familienzweig der Asseburgs zurückgezogen und der letzte Besitzer Burchard von Asseburg das Anwesen an die Aktiengesellschaft „Zuckerfabrik Klein Wanzleben“ verkauft, um sich auf das Schloss in Hornhausen zu konzentrieren. Doch musste die Zuckerfabrik die Gunsleber Schloss-Anlage, die sie zur Bewirtschaftung verpachtet hatte, bald wieder hergeben, da diese Gebäude nach dem 2. Weltkrieg nebst Umfeld Staatseigentum wurden.

Zu DDR-Zeiten hat es im Schloss nicht nur einige gemeindeeigene Wohnungen gegeben, sondern waren hier auch Grundschule, Kindergarten, Kinderkrippe sowie Gemeindebüro untergebracht. Wie auch noch nach 1989 das Schloss längere Zeit öffentlich genutzt, dann aber zum Verkauf ausgeschrieben worden ist.

So wurde Robert Glaß der neue Besitzer. Der Niedersachse hatte nicht zuletzt bei Besuchen seiner Haldensleber Verwandtschaft die Börde kennengelernt und war dabei auch auf Gunsleben aufmerksam geworden. Mit dem Ergebnis, dass er 2007 das Schlossgelände gekauft und auch sofort mit Sanierungsarbeiten in den Gebäuden begonnen hat. Unter anderem wurde gleich zu Beginn die ursprüngliche Raumaufteilung wieder hergestellt, die vor allem in der Zeit von 1950 bis 1970 etwas verändert worden ist. Bei diesen Arbeiten wurde unter anderem eine 350 Jahre alte Deckenbemalung wiederentdeckt und auch eine aus der Biedermeierzeit stammende Holzdeckenvertäfelung freigelegt. Wie auch in der ersten Sanierungs-Phase beispielsweise Parkett, Stuck und Türen alte Schönheit zurückbekommen haben. Auch wurde an der Fassade gearbeitet und ein Wintergarten wiederhergestellt.

Ein Aquarellgemälde des Schlosses aus früheren Jahren
Ein Aquarellgemälde des Schlosses aus früheren Jahren

War 2012 also schon einiges erledigt, als die Gunsleber das 900jährige Jübiläum der urkundlichen Ersterwähnung ihres Dorfes gefeiert haben. Wovon sich die Dorfbewohner und ihre Gäste der 900-Jahr-Feier auch überzeugen durften, war anlässlich dieses Festes in fünf Räumen der unteren Etage des Schlosses eine umfangreiche Ausstellung zur Geschichte des Ortes zu sehen. Dabei haben auch viele Fotos, Dokumente und weiter Exponate über die Familie Asseburg informiert.

Seither ist Robert Glaß weiterhin dabei, die historischen Gebäude nach und nach auf Vordermann zu bringen. Zudem haben sich die Gunsleber auch in den zurückliegenden Jahren jeweils im Juli im Schatten des Schlosses zu einem Parkfest getroffen.

Zum Schlossgelände gehört auch ein zwei Hektar großer Park.
Zum Schlossgelände gehört auch ein zwei Hektar großer Park.

Gehört doch zum Schlossgelände auch ein etwa zwei Hektar großer Park, der vor 170 Jahren angelegt worden ist und in dem Linden, Kastanien, Ahornbäume, Eschen, Eiben, Schwarzpappeln, Buchen und weitere Gehölze stehen.

Seite zurück Nach oben