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Klosterkirche St. Vitus Kloster Gröningen

Die Geschichte der Klosteranlage und des zugehörigen landwirtschaftlichen Anwesens ist vielfach dunkel und rätselhaft. Es hängt offenbar damit zusammen, dass das Klosterarchiv höchstwahrscheinlich mit der Auflösung des Klosters um 1553/55 nach Corvey gebracht worden ist und dort bei einem Großbrand im 30-jährigen Krieg verloren ging; nur einzelne Urkunden und Briefe aus anderen Archiven hellen das Dunkel etwas auf.

Nach diesen Erkenntnissen beruht die Gründung des Benediktiner-Manns- Klosters auf einer Stiftung des Grafen Siegfried, eines Bruders des bekannteren Markgrafen Gero, der auch das Kloster Gernrode stiftete, und seiner Gemahlin Jutta.

Die Tradition erzählt, dass im Jahr 936, am Tage der heiligen Scholastika, der Sohn des Grafen Siegfried, auch Siegfried heißend, auf der Jagd zu Tode kam und die Tochter nach Kenntnis der Todesnachricht durch einen Treppensturz verunglückte.

Der Kinder beraubt und in der Seele erschüttert, schenkten sie ihre Güter dem Kloster Corvey, um in Westergröningen ein Kloster zu stiften. Nach einer Bauzeit von nur 4 Jahren konnte der Vorgängerbau der heutigen Klosterkirche auf dem Gelände der bereits vorhandenen Wohnburg Siegfrieds errichtet werden.

In den belegten Nachrichten von der Einweihung heißt es, dass das Kloster dem Stephanus, der Maria und dem Vitus geweiht wurde. Mit der Fertigstellung der Klosteranlage wurde die Stiftung wohl mit 12 Mönchen besetzt und blieb mit dem Mutterkloster (Corvey) bis zu seiner Aufhebung eng verbunden. Zuletzt waren es nach Dr. Chr. Römer nur noch um die Drei.

Seit dieser Zeit ist viel Wasser die Bode hinunter geflossen, und das inzwischen als historisches Bauwerk erkannte Kirchengebäude, gehört zur Straße der Romanik.

Klosterkirche St.Vitus Straße der Romanik
Klosterkirche St.Vitus Straße der Romanik

Im April 1996 wurden die Untere Denkmalschutzbehörde des Bördekreises und das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt nach Kloster-Gröningen gerufen, weil dort im Rahmen einer »Verschönerungsaktion« durch eine AB- Maßnahme im Bereich des ehemaligen Klosters auch an der mittelalterlichen Bausubstanz gearbeitet werden sollte. Die Kirche des ehemaligen Benediktinerklosters liegt an der gut besuchten "Straße der Romanik“. Zur besseren touristischen Erschließung wurde von der Gemeinde, dem Eigentümer dieser Anlage, eine erste Sanierungskonzeption für den östlichen Klausurflügel entwickelt, der sich vollständig aus kleinteiligen, hammerrecht bearbeiteten Steinen errichtet - unmittelbar, aber durch eine Baufuge getrennt, an den südlichen Querhausarm der Kirche anlehnt. Mittelfristiges Ziel dieser Maßnahme ist die Erschließung auch dieser Räume für die Besucher der Kirche, denen hier in einer Ausstellung weitere Informationen zur Geschichte des Klosters und Gutes gegeben werden sollen.

Bei der eingehenderen Besichtigung der Gebäudeteile stellte sich schnell heraus, dass hier Reste des zweigeschossigen romanischen Klausurostflügels erhalten geblieben sind. Im Erdgeschoß befinden sich (von Norden nach Süden): die Sakristei mit dem einstigen, inzwischen vermauerten Zugang von der Kirche, ein zweijochiger Raum und schließlich der Rest des ursprünglichen Kapitelsaales. Der heutige Südgiebel ist nach 1945 errichtet worden, nachdem zuvor Teile der Südostecke der Klausur abgebrochen worden waren.

Alle Räume besitzen Kreuzgratgewölbe. Diese weisen zahlreiche Schäden auf, die mit den sich häufig verändernden Nutzungen zu erklären sind: Nach dem eingehenden Studium der bis ins frühe 17. Jahrhundert nachweisbaren archivalischen Quellen - der Bauakten und ausführlichen Inventarbeschreibungen - lässt sich sagen, dass in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in den Erdgeschoßräumen des Ostflügels eine Brauerei untergebracht war, während im Obergeschoß noch der hofseitige Gang mit Tür zur Kirche sowie mehrere Kammern beschrieben sind. Außerdem erfahren wir, dass der Südflügel kräftig umgebaut und der Westflügel vom Kellergeschoss an in den 1780er Jahren nahezu gänzlich neu errichtet worden sind. Von der Brauhaustätigkeit künden zum Beispiel Brand- und Rußspuren. Erst nach 1945 wurde zudem das Gewölbe der Sakristei in dem Maße zerstört, als es für eine ins Obergeschoß führende Treppe erforderlich war. Für einen Kapitelsaal sprechen folgende Befunde: Das Wölbungssystem öffnete sich ursprünglich nach Osten, das heißt der Raum besaß eine Fortsetzung nach außen. Und dort wiederum sind Spuren einer weiteren Wölbung erkennbar, die darauf schließen lassen, dass hier ehemals ein Raum angrenzte.

Nach zahlreichen Parallelen wird man hier mit einer Kapitelsaalkapelle rechnen können. Die Untersuchungen sind insbesondere an dieser Stelle noch nicht abgeschlossen.

Im Obergeschoß - dem einstigen Dormitorium - sind außer einem Gipsestrichfußboden und der abgemauerten Tür zur Kirche vor allem spätgotische Fensteröffnungen auf der Ostseite zu erwähnen.

An der einstigen Kreuzgangseite zeugen mehrere Konsolsteine von der ehemaligen Kreuzgangwölbung. Der Zugang vom östlichen Kreuzgang zum Dormitorium erfolgte über eine auf halber Höhe gelegene bauzeitliche Tür, die vom Kreuzgang aus über eine (hölzerne) Treppe zu erreichen gewesen sein dürfte.

Auch im Südflügel, heute Wohnhaus, haben sich in den Kellern Spuren aus dem hohen Mittelalter erhalten: rundbogige Kellertüren und sorgfältiges Mauerwerk. Die derzeitige Nutzung erschwert jedoch weitergehende Untersuchungen.

Aufgrund der geringen finanziellen Mittel konnten die Arbeiten ausschließlich im Rahmen einer AB - Maßnahme ausgeführt werden, wobei eine enge Einbindung der Denkmalpflege erst nach anfänglicher Verzögerung erfolgte.

Im Bereich des einstigen Kreuzhofes wurden mehrere Reste von modernen Einbauten sowie die Einfassung eines Schwimmbeckens entfernt und durch eine Rasenfläche mit umlaufender Wegeführung ersetzt. Der Vorschlag des zu spät in die Planungen einbezogenen Denkmalamtes, die ursprünglichen Abmessungen der Klausurflügel und Kreuzgänge durch Pflasterung bzw. Rasenfläche anzudeuten, konnte nicht mehr verwirklicht werden.

Außerdem wurde der wohl neuzeitliche Brunnenschacht freigelegt und bis in Brüstungshöhe aufgemauert.

In den Räumen des östlichen Klausurflügels wurden jüngere hölzerne Einbauten sowie eine nach 1945 eingezogene Backsteinwand, die zur Abtrennung mehrerer Gelasse dienten, beseitigt, so dass die erhaltenen drei Räume wieder in ihren ursprünglichen Ausmaßen ablesbar sind (abgesehen von dem nach 1945 reduzierten Kapitelsaal)“.

Der Text ist ein Auszug aus dem "Heimatbuch Kloster Gröningen mit Elementen des regionalen Brauchtums 1. Teil - Unserem lieben Heimatdorf gewidmet " - von Ralf Staufenbiel. Die Freigabe zum Teilauszug wurde gegeben.

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