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Haus des Ausreiters – Kroppenstedts außergewöhnliche Reitertradition

Fast 350 Jahre lang gehörten berittene Dienste zum Leben in Kroppenstedt. Von 1371 bis 1727 übernahmen freie Bauern der Stadt vielfältige Aufgaben für Landesherren und Verwaltung. Das Haus des Ausreiters erinnert an diese ungewöhnlich lange Tradition und an den Hauptmann, der an der Spitze der Kroppenstedter Reiter stand.


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Das Haus des Ausreiters in Kroppenstedt erinnert an die fast 350 Jahre währende Reitertradition der Stadt. Das historische Gebäude diente einst dem Ausreiter, dem Hauptmann der Kroppenstedter Reiter, als Unterkunft und gehört heute zu den besonderen Zeugnissen der Stadtgeschichte.
Das Haus des Ausreiters in Kroppenstedt erinnert an die fast 350 Jahre währende Reitertradition der Stadt. Das historische Gebäude diente einst dem Ausreiter, dem Hauptmann der Kroppenstedter Reiter, als Unterkunft und gehört heute zu den besonderen Zeugnissen der Stadtgeschichte.

Eine Reitertradition über fast 350 Jahre

Von 1371 bis 1727 leisteten freie Bauern aus Kroppenstedt Reiterdienste. Eine solche berittene Landfolge gab es auch in anderen Städten. Sie diente dem Schutz und der Stärkung der jeweiligen Territorialfürsten.

Während diese Einrichtungen andernorts jedoch häufig nur für vergleichsweise kurze Zeit bestanden, hielt sich der Reiterdienst in Kroppenstedt rund 350 Jahre. Damit prägte er über viele Generationen einen besonderen Teil der Kroppenstedter Geschichte.

Die Reiterdienste waren zugleich mit Privilegien verbunden. Kroppenstedter Ackerleute und Kossaten waren dadurch von Dienstleistungen gegenüber dem Amt Gröningen weitgehend befreit.

Ausgenommen blieben bei den Ackerleuten Fuhren zum Herbeischaffen von Baumaterial für den Mühlenbau. Die Kossaten mussten weiterhin Arbeiten beim Mühlenbau übernehmen. Auch nach der Aufhebung der Reiterdienste im Jahr 1727 änderte sich an diesen Verpflichtungen zunächst nichts.

Begleitschutz, Botendienste und Ehrenwache

Die Aufgaben der Kroppenstedter Reiter waren ausgesprochen vielseitig. Sie übernahmen sowohl Sicherheits- als auch Botendienste und wurden für unterschiedliche Aufgaben der Obrigkeit eingesetzt.

Zu ihren Pflichten gehörte es unter anderem,

  • reisende Kaufleute auf dem Weg zur Leipziger Messe vor Wegelagerern zu schützen,

  • einen ständigen Boten- und Sicherheitsdienst zu versehen,

  • Strafexekutionen durchzuführen,

  • Gefangene zu bewachen und zu transportieren,

  • Landesherren beim Eintritt in das Fürstentum Halberstadt Geleit zu geben,

  • sowie Hofdienste auf dem benachbarten Schloss Gröningen zu übernehmen.

Hielt sich Heinrich Julius, Herzog von Braunschweig und Lüneburg sowie Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel, in seiner Gröninger Residenz auf, mussten die Kroppenstedter Reiter zudem die Ehrenwache stellen.

Für ihre Dienste erhielten die Reiter Ackerflächen, die als sogenannte Reithufen bezeichnet wurden.

Der Ausreiter führte die Kroppenstedter Reiter an

An der Spitze der Reiter stand ein Hauptmann, der sogenannte Ausreiter. Anfangs umfasste die Kroppenstedter Reitertruppe etwa 40 Männer, später waren es 28.

Der Ausreiter war meist ein gedienter Soldat. Er wurde gemeinsam vom Amt im benachbarten Gröningen und vom Kroppenstedter Rat bestellt und vereidigt.

Von ihm wurde erwartet, sich im Dienst ehrbar und redlich zu verhalten, gegenüber Amt und Rat gehorsam zu sein und den übrigen Reitern mit gutem Beispiel voranzugehen.

Der Kroppenstedter Rat stellte dem Ausreiter außerdem das von der Stadt unterhaltene „Ausreuterhaus“ zur Verfügung. An diesen besonderen Bestandteil der städtischen Reiterorganisation erinnert das Haus des Ausreiters noch heute.

Südansicht des historischen Hauses des Ausreiters in Kroppenstedt aus Richtung des Heimatmuseums. Das Gebäude erinnert an die fast 350 Jahre währende Reitertradition der Stadt und an den Ausreiter, der als Hauptmann an der Spitze der Kroppenstedter Reiter stand.
Südansicht des historischen Hauses des Ausreiters in Kroppenstedt aus Richtung des Heimatmuseums. Das Gebäude erinnert an die fast 350 Jahre währende Reitertradition der Stadt und an den Ausreiter, der als Hauptmann an der Spitze der Kroppenstedter Reiter stand.

Der Cornet und die Kroppenstedter Reiterfahne

Dem Ausreiter zur Seite stand der sogenannte Cornet. Seine Aufgabe war es, die Fahne der Reiter zu führen.

Diese Standarte kam insbesondere bei feierlichen oder offiziellen Anlässen zum Einsatz. Sie wurde beispielsweise mitgeführt, wenn die Kroppenstedter Reiter vor dem Gröninger Schloss zum Empfang der Landesherrschaft aufzogen oder hochrangige Persönlichkeiten durch das Fürstentum begleiteten.

Die historische Reiterfahne ist bis heute erhalten. Sie wurde nach der Überlieferung im Jahr 1690 vom Kurfürsten von Brandenburg gestiftet und gehört heute zu den besonderen Sehenswürdigkeiten des Kroppenstedter Heimatmuseums.

Das Ende der Kroppenstedter Reiterdienste

Im Jahr 1727 endete die jahrhundertelange Geschichte der Kroppenstedter Reiterdienste.

Die Reiter wurden nach Gröningen bestellt. Dort eröffnete man ihnen im Auftrag von König Friedrich Wilhelm I., dass ihre Dienste nicht länger benötigt würden.

Damit ging eine Tradition zu Ende, die das Verhältnis Kroppenstedts zur umliegenden Herrschaft und Verwaltung über fast 350 Jahre geprägt hatte. Das Haus des Ausreiters erinnert bis heute an diese besondere Episode der Stadtgeschichte und macht sie bei einem Rundgang durch Kroppenstedt anschaulich nachvollziehbar.

Die Hinweistafel am Haus des Ausreiters in Kroppenstedt bezeichnet das Gebäude als Wohnhaus des Kommandeurs der Kroppenstedter Reiter und nennt die Jahreszahl 1633. Das Gebäude erinnert an die jahrhundertelange Reitertradition der Stadt.
Die Hinweistafel am Haus des Ausreiters in Kroppenstedt bezeichnet das Gebäude als Wohnhaus des Kommandeurs der Kroppenstedter Reiter und nennt die Jahreszahl 1633. Das Gebäude erinnert an die jahrhundertelange Reitertradition der Stadt.
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